Sehr geehrte Damen und Herren der Bundesnetzagentur,

Als Gründer und Geschäftsführer der Wind Energy Trading, welche eines der größten Wind- und Solarportfolios in Deutschland bewirtschaftet, wenden wir uns an Sie, da wir aktuell Verwerfungen am Ausgleichsenergiemarkt in noch nie dagewesenem Ausmaß beobachten. Aus unserer Sicht bedrohen diese den gesamten physischen deutschen Strommarkt, insbesondere Stadtwerke und der Vermarkter von Wind- und Solarenergie sind einem existenziellen Risiko ausgesetzt. Bisher haben sich die hohen Arbeitspreise noch nicht in einem extremen Ausgleichsenergiepreisen niedergeschlagen. Aber dies ist nur eine Frage der Zeit.

Bitte glauben Sie nicht, dass sich die Lage schon entspannt hat, da sich in den letzten Tagen niedrigere Preise bei den Auktionen ergeben haben. Es ist zu erwarten, dass die Arbeitspreise wie am 31.07.2019 bei einem hohen Wind aufkommen wieder auftreten werden, wenn Sie nicht tätig werden. An so einem Tag werden sich diese Arbeitspreise dann zwangsläufig auch im Ausgleichsenergiepreis realisieren. Eisman Abschaltungen und starke Produktionsschwankungen im Wind werden zu Regelenergieabrufen größer 500MW führen und die dadurch entstehenden Ausgleichsenergiepreise den Markt erheblich schädigen. Bitte reagieren Sie bevor der Extremfall eingetreten ist und zahlreiche Marktteilnehmer signifikante finanzielle Schäden erleiden mussten.

Das jetzige Leistungspreisverfahren funktioniert nicht mehr. Dies kann man sofort mit einem Blick auf die Leistungspreise erkennen. Diese liegen fast konstant bei null Euro. Für ein Auktionsverfahren ist das die Bankrotterklärung. Dies bedeutet, dass hauptsächlich Biogasvermarkter, die unabhängig vom EPEX SPOT Preis Ihre Reserve anbieten können, alle anderen Marktteilnehmer aus dem Reservemarkt verdrängen. Die Konsequenz können Sie jetzt täglich beobachten, es werden Mondpreise geboten, die Gier kennt hier keine Grenzen. Das mehr als 93% der zugeschlagenen Arbeitspreise am 31.07.2019 über 20‘000 Euro liegt ist katastrophal, aber bitte denken Sie nicht, dass der 01.08.2019 mit dem niedrigeren Preislevel besser wäre. Auch dies ist kein gesundes Preisniveau und das größte Risiko ist gegeben, dass das Preislevel jeden Tag auf das des 31.07.2019 zurückgehen kann.

Das dies passieren kann zeigt sich am Sonntag dem 04.08.2019. Erneut zeigen sich extreme Preise bei der negativen Minutenreserve von -43.0000 Euro je MWh. Die Intraday Strompreise handeln an der Börse bis maximal -10 EUR je MWh. Mehr als die Hälfte der negativen Minutenreserve ist zu einem Preis von -94755 Euro je MWh angeboten und durch die Netzbetreiber akzeptiert worden. Noch einmal, der Referenzbörsenpreis in dem Zeitbereich lag bei 28 EUR je MWh und der niedrigste Intraday Preis bei -10 EUR je MWh.

Es ist leider davon auszugehen, dass sich diese Preisdynamik an Tagen mit hohem Windaufkommen wiedereinstellen wird. Da die schamlosen Regelenergieanbieter, welche diese Mondpreise bieten, darauf wetten werden an diesen Tagen mit Ihren extremen Arbeitspreisen, aufgrund der zu erwartenden Windschwankungen, abgerufen zu werden.

Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, wie der Bundesverband Erneuerbaren Energien die Wiedereinführung des Leistungspreisverfahrens als Erfolg für die Erneuerbaren Energien wertet. Die einzigen, die hier massiv profitieren, sind die Biogas Vermarkter. Und dies auf Kosten aller anderen Marktteilnehmer.

Diese Situation ist unhaltbar. Es muss einen Wettbewerb für die Arbeitspreise geben, in dem nicht alle Konventionellen Kraftwerke sofort ausgeschlossen sind und ein gesunder Wettbewerb für den günstigsten Arbeitspreis stattfindet. Als verantwortliche Regulierungsbehörde sehen wir Sie hier in der Pflicht. Wir fordern Sie auf zu handeln, bevor es zu spät ist und Marktteilnehmer signifikante finanzielle Schäden erlitten haben.

 

Hochachtungsvoll,

Grigorii Toulskii, Julian Göhler

Gründer und Geschäftsführer der Wind Energy Trading

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